Der Lammertzhof

Historie

Im Jahr 1864 beginnt die Geschichte des Lammertzhofes: Wilhelm Lammertz, Ur-Ur-Großvater des heutigen Besitzers, erwarb den Hof am 15. Januar 1864 zu einem Kaufpreis von 3911 Thalern. Zu dieser Zeit gehörten 115 Morgen Ackerland sowie 6 Morgen Haus- und Gartenland zum Hof. Mit seiner Ehefrau Katharina Josten, Tochter des Bayerhof-Besitzers, hatte Lammertz zwei Kinder: Den späteren Hoferben Franz und die Tochter Annchen. Der 1866 geborene Hoferbe ehelichte Gertrud Klother, die mit ihrem Kind im Wochenbett verstarb. Aus der zweiten Ehe mit Gertrud Dahmen ging 1903 eine Tochter hervor. Gertrud jedoch verstarb ebenfalls im Wochenbett. Franz Schwester, Annchen, die zu dieser Zeit als Unverheiratete ebenfalls auf dem Hof lebte, nahm die Mutterrolle ein und zog die kleine Maria auf, die später den Landwirt Heinrich Hannen aus Driesch ehelichte. Aus dieser Eheschließung gingen vier Kinder hervor: Der spätere Erbe Franz-Josef (* 1935) sowie die Töchter Maria, Anneliese und Elisabeth.

Während der Ortsteil Vorst von den Bombardierungen der Alliierten schwer gezeichnet war, blieben Kaarst und Büttgen weitestgehend unversehrt. So kam es auch, dass mehrere hundert Flüchtlinge in den beiden Ortsteilen aufgenommen wurden. Da die Bauernschaft in den Kriegsjahren mit der Sicherstellung der Nahrungsversorgung beauftragt war, entgingen einige Landwirte der Einberufung. In den 1960er Jahren sollte sich das Bild der Gemeinde Büttgen mit der Flurbereinigung nachhaltig verändern. Mit dem Ziel der Sanierung des Ortskerns, wurden elf landwirtschaftliche Betriebe aus der Ortsmitte auf neu zusammengefasste Flächen ausgesiedelt. Von einst 179 landwirtschaftlichen Betrieben im Jahr 1949 waren zu Beginn der 70er Jahre lediglich 105 übrig (heute noch etwa 30 Betriebe). Einhergehend mit diesen Aussiedlungen und der Abnahme der landwirtschaftlichen Betriebe nahmen auch der Bezug und der Kontakt zu den Bauern „vor Ort“ ab, die einst klassische Rolle der Bauern als Nahversorger wurde zunehmend von Supermärkten übernommen.

1975, als aus den Gemeinden Büttgen und Kaarst die Großgemeinde Kaarst entstand, siedelte auch der Lammertzhof aus, nachdem seine Ländereien zu zwei großen Flurstücken im Driescherfeld zusammengelegt wurden. Die alte Hofstelle blieb zwar erhalten, wurde jedoch unter Denkmalschutz gestellt und zu einem Büro- und Geschäftshaus umfunktioniert. Die dort angrenzenden Flächen wurden als Baugebiet ausgewiesen und in der Folge vollständig verbaut. Der „Neu-Lammertzhof “, wie Franz-Josef und Maria Hannen den Hof benannten, war geboren.

Generationenwechsel: Umstellung auf Bioland-Betrieb

Seit 1989 wird der Hof von Heinrich Hannen und seiner Frau Petra Graute-Hannen bewirtschaftet. Mit dem „Generationenwechsel“ wurde auch das Bewirtschaftungskonzept grundlegend verändert: Aus dem vormals konventionellen Schweinemastbetrieb wurde ein ökologischer Hof nach Bioland-Richtlinien. Heute gehören zum Lammertzhof rund 40 Hektar Landfläche, die vollständig zum Eigentum der Inhaber zählen – auch wenn einige Flächen im „Pflugtauschverfahren“ getauscht wurden.

In den ersten Jahren der Umstellung wurden Kleegras und ein Hafer-Erbsengemenge angebaut. Das Kleegras regenerierte den Boden, baute Humus auf und sammelte Nährstoffe für den Gemüse- und Kartoffelanbau. Das Hafer-Erbsengemenge war eine gute Möglichkeit in der Zwischenzeit auch etwas Geld zu erwirtschaften, da es an Kuhbetriebe verkauft werden konnte, die es als Zukaufgetreide an ihre Kühe verfüttern konnten. Im ersten Jahr wurde auf einem halben Hektar, eher im Gartenstil, Gemüse aller Arten angebaut, meist ohne maschinelle Hilfe gesät und per Hand gepflanzt. Mit der Bioland-Anerkennung Ende 1991 vergrößerten sich die Anbauflächen für Kartoffeln und Gemüse. Mit der Verschlechterung der Absatzerlöse über den Großhandel wurden weitere Marktstandorte im Kreis Neuss, Düsseldorf und Umgebung hinzugenommen, so dass eine Zeitlang an jedem Tag der Woche mindestens ein, Samstags zum Teil bis zu drei Marktstände betrieben wurden. Der Wochenmarktverkauf war bis zur Einstellung 2011 eine wichtige Säule der Gemüse und Kartoffelvermarktung des Lammertzhofes und hat maßgeblich zum Bekanntheitsgrad und Image des Hofes in der Region beigetragen.

Neue Vermarktungswege

Dennoch war bereits in den 1990er Jahren klar, dass ein zusätzlicher Vermarktungsweg in der dicht besiedelten Region wichtig wäre. Beim Austausch mit Kollegen auf einem Seminar war dieser neuartige Vermarktungsweg gefunden: Das Gemüse-ABO. Von Baden-Württemberg aus war diese Form der Gemüse-Vermarktung auch bei den ersten Betrieben in NRW angekommen. So kam es, dass der Lammertzhof 1993 die ersten Schritte in dieser Vermarktungsform unternahm, um ein Jahr später damit zu starten. Zu dieser Zeit rechnete niemand damit, dass sich die „Ökokiste“ zum wirtschaftlich relevantesten Betriebszweig entwickeln würde. Aufgrund der hohen Nachfrage nach Fruchtgemüse wie Tomaten, Gurken, Paprika und später auch Auberginen entstanden ab 1991 die ersten Folientunnel. 1999 wurde das Glasgewächshaus mit 2.200 m² Kulturfläche gebaut, das zu dieser Zeit eines der modernsten und bestausgestatteten Bio-Gewächshäuser in NRW war. Es verfügte unter anderem über ein 200 m² großes, separat steuerbares, mit Schattierung und beheizbaren Anzuchttischen ausgestattetes Jungpflanzenabteil, Hebe- und Senke-Heizungsrohre, besonders groß dimensionierte Lüftungsfläche und eine 4 m hohe Stehwand. Doch ein Problem tat sich auf: der notwendige hohe Energieeinsatz für die Heizung passte nicht in die Betriebsphilosophie. Auch konnten die hierausresultierenden Ausgaben (Energie- und Arbeitskosten) durch den Ertrag der äußerst bio-intensiv geführten Kulturen kaum gedeckt werden, weswegen die Intensität in den nachfolgenden Jahren zurückgefahren wurde. 2008 wurde die Heizung komplett stillgelegt, 2012 sogar vollständig demontiert, um die Schattenwirkung der Rohre zu vermeiden und diese als Rohmaterial für zahlreiche andere Bauprojekte auf dem Hof zu nutzen. Seitdem werden die Gewächshauskulturen extensiv geführt, was den Geschmack sehr fördert.

Bioland Lammertzhof