Januar 2016

Liebe Kunden,

mit ein wenig Verspätung wünschen wir Ihnen ein frohes, gesundes und erfolgreiches neues Jahr! Der erste Newsletter 2016 steht ganz im Zeichen vom Fleischatlas (herausgegeben von der Heinrich Böll Stiftung und dem BUND) sowie den Auswirkungen der intensiven, konventionellen Tierzucht auf Mensch, Tier und Umwelt. Ein heikles Thema, dass die wechselseitigen Beziehungen zwischen „Luxusproblemen“ in der Überfluss- und Wegwerfgesellschaft und dem landwirtschaftlichen Dilemma in Ländern der 2. und 3. Welt eindrucksvoll demonstriert. Lokales Handeln hat globale Folgen – es ist daher mehr als eine Werbefloskel wenn wir sagen: Das Einkaufsverhalten hat maßgeblichen Einfluss auf die (globale) Entwicklung. Der Preis für ein Kilo Mett liegt weitaus höher, als die 3,99 Euro im konventionellen Handel: Es kostet das Tier das (artgerechte) Leben und Menschen in entfernten Regionen Grundnahrungsmittel und Arbeit. Warum das so ist, lesen Sie hier bei uns, im „Fleischatlas“ und in den kritischen Anmerkungen zum EU/Afrika-Handelsabkommen. Erstaunlich, wie eng dann doch alles zusammenhängt, oder? Viel Spaß beim Lesen und Informieren über eine eher erschreckende Thematik. „Think global, act local“ beschreibt die Lösung des Problems dann doch ziemlich passend. In diesem Sinne: Herzliche Grüße aus dem Büttgerfeld senden Ihnen

Unterschrift

Petra Graute-Hannen und Heinrich Hannen

Den Januar Newsletter 2016 als PDF downloaden

Landwirtschaft oder Agrarindustrie?

2015 gab es rund 281.000 landwirtschaftliche Betriebe, die eine Gesamtfläche von 16,7 Millionen Hektar Land bewirtschafteten – als der Lammertzhof 1989 auf biologische Landwirtschaft umgestellt wurde, lag die Zahl der Betriebe noch bei 687.000. Während im Jahr 1900 ein Landwirt Nahrungsmittel für vier Personen erzeugte, waren es im Jahr 2013 bereits 145. Nicht zuletzt aufgrund der gestiegenen Produktivität (u.a. durch Einsatz von Landmaschinen, potenterem Saatgut und wirksameren Pflanzenschutzmitteln) und des hohen Preisdrucks sank der Anteil der in der Landwirtschaft tätigen von fast 40 % auf knapp 2 %.

Während im Osten Großbetriebe seit vielen Jahrzehnten (historisch bedingt) etabliert sind, lässt sich im Rest der Republik seit einigen Jahren ein Trend in eben diese Richtung erkennen. Konkret bedeutet das, dass mittlerweile 14 % der Betriebe nahezu 60 % aller landwirtschaftlichen Flächen bewirtschaften – was auch daran liegt, dass immer mehr (Familien-)Betriebe ihre Tätigkeit einstellen. Davon betroffen sind fast ausschließlich diejenigen, die eine Fläche von unter 100 Hektar bewirtschaften. Um halbwegs konkurrenzfähig zu bleiben, greifen immer mehr konventionelle Landwirte auf den Anbau von Monokulturen zurück.

Der Anbau von Monokulturen ist wirtschaftlich gesehen rentabler: Nur eine Sorte Saatgut, nur eine Sorte Schutzmittel, nur einmal ernten und die Masse an weiterverarbeitende Betriebe verkaufen. Genau wie der „Kulturfaktor“ ist auch die landwirtschaftliche Herausforderung – extrem monoton. Da die Nachfrage nach Kraftfutter für die Tierproduktion und –mast stark gestiegen ist, landen immer mehr Anbauprodukte im Trog statt auf dem Teller. Eiweißreiche Kraftfutterpflanzen, insbesondere Soja, lassen sich aufgrund der klimatischen Bedingungen in unserer Region nur mit unterdurchschnittlichen Erträgen anbauen – in der Konsequenz ist der Import zumeist günstiger. Die Probleme werden dadurch in den exportierenden (zumeist lateinamerikanischen) Ländern geschaffen: Statt Nahrungsmittel für die eigene Bevölkerung anzubauen verlockt der lohnenswerte Export der Futtermittel. Zeitgleich werden immer mehr Flächen „monokultiviert“, wofür auch der Regenwald gerodet wird, während die jeweiligen Regierungen dem illegalen Treiben zumeist hilflos zusehen müssen.

Ein Blick in den Fleischatlas 2016 offenbart: Während die Erzeugung von Geflügelfleisch in den letzten 20 Jahren um mehr als 75 % gestiegen ist, ging die Zahl der Mastbetriebe um 95 % zurück. Ähnlich verhält es sich bei der Produktion von Schweinefleisch – nur noch 10 % der Betriebe produzieren dennoch 50 % mehr als im Ausgangsjahr. 2014 wurden so alleine in NRW 1,8 Millionen Tonnen Schweinefleisch produziert, mehr als in jedem anderen Bundesland. 791.212 Tonnen Fleisch und Wurst, 1.723.600 Tonnen Milch und Käse sowie 128.447 Tonnen Eier werden jährlich in NRW verzehrt.  19,4 Millionen Schweine, 34,6 Millionen Geflügeltiere und 681.000 Rinder wurden so 2015 in NRW geschlachtet. Im gesamten Bundesgebiet sind es 58,35 Mio. Schweine und 3,24 Mio. Rinder. Dazu kommen 25,46 Mio. Enten, 37,7 Mio. Puten und 627,94 Mio. Hähnchen. Die 10 größten Geflügel-Schlachter machen dabei einen Umsatz von 5,9 Milliarden Euro.

Es wundert nicht, dass die Fleischproduktion in NRW einen Überschuss erzielt und deutlich mehr Fleisch hergestellt als verbraucht wird. Viele Tiere werden fast ausschließlich für den Verkauf der hochwertigen Stücke, wie z.B. Hähnchenbrustfilet, geschlachtet. „Nebenprodukte“ wie die Schenkel und Flügel lassen sich schon schwieriger vermarkten. Füße, Hälse und Rücken? An Frische- oder Kühltheken in Deutschland eher selten gesehen. Diese „Schlachtreste“ werden als nicht veräußerbare Körperteile oftmals in Entwicklungsländer exportiert. Dass die Lebensmittelproduktion in diesen Ländern aufgrund der billigen Importe aus Deutschland ebenfalls in Schieflage gerät (paradoxerweise ist der Import auch hier günstiger als der eigene Anbau / die eigene Aufzucht), stört die Agrarindustriellen herzlich wenig – zumal Exportsubventionen und (geplante) Freihandelsabkommen wie zwischen der EU und Afrika solches Handeln stützen. Doch damit der Perversion nicht genug: Der Verkauf der Ware an die afrikanische Westküste ist zwar wenig gewinnbringend (das Geld wurde auf dem heimischen Markt bereits verdient), vermeidet aber die höheren Entsorgungskosten, die in Europa anfallen würden. Da nimmt man zum Wohle der Bilanz auch in Kauf, dass die Kühlkette manchmal nicht geschlossen bleibt und kehrt hygienische Bedenken beiseite. (mehr dazu: Frontal21 vom 04.03.2014).

In NRW produzieren die Schlachtbetriebe rund 20 % mehr Schweinefleisch als verbraucht wird. Die konventionelle Haltungsfläche in der Schweinemast beträgt etwa 1 m² pro Schwein – ohne Wirtschaftsflächen. Würde man die Schweine, die in einem Jahr geschlachtet werden, zeitgleich unter diesen Mindestbedingungen halten, so bräuchte man eine reine Stellfläche von 58,35 km² – Borkum und Norderney zusammen haben eine Fläche von etwa 57 km². Da der Durchlauf in den Mastbetrieben jedoch geringer als ein Jahr ist (Schlachtreife ungefähr nach sechs Monaten), wird tatsächlich eine etwas geringere Fläche benötigt.

Für Nordrhein-Westfalen bedeuten diese intensive Tierhaltung und der Futterpflanzenanbau große Probleme, nicht zuletzt in Hinblick auf die Wasserverschmutzung. Viele Gewässer und fast die Hälfte aller Grundwassermesspunkte weisen zu hohe Nitratwerte auf (z.T. bis zu 300 mg/l, der Toleranzwert liegt bei 50 mg/l). Mehr Schweine bedeuten mehr Gülle, aber da die Güllelagerung teuer ist wird mehr Gülle auf die Felder gebracht, obwohl die Aufnahmekapazitäten der Böden begrenzt sind und sich das überschüssige Nitrat im Boden sammelt oder in das Grundwasser sickert. Aber nicht nur Nitrat stellt eine Gesundheitsgefahr dar – auch die vielerorts eingesetzten Pestizide und Herbizide. Eine Studie der Grünen Bundestagsfraktion kommt zu einem erschreckenden Ergebnis: Ein Großteil der konventionell erzeugten Lebensmittel sind so stark mit Pestiziden und Herbiziden belastet, dass sie nicht als Säuglingsnahrung verkauft werden dürften.  Für die Studie wurden 58.000 Stichproben ausgewertet, die von den Lebensmittelüberwachungsbehörden der Bundesländer im Zeitraum 2011 – 2013 untersucht wurden. Konventionelle Kiwis enthielten so eine 3000-mal höhere Pestizidkonzentration als die ökologisch erzeugten, in allen Produktkategorien wiesen die Bio-Lebensmittel deutlich niedrigere Rückstände auf als ihre konventionellen Pendants. Im Gegensatz zu den konventionellen Produkten halten 95 % der ökologischen Erzeugnisse den Grenzwert für Säuglingsnahrung von 0,01 mg pro Kilogramm ein. Insbesondere der Einsatz von fragwürdigen Pestiziden wie Glyphosat, das im Verdacht steht krebserregend zu sein, sollte nach Ansicht der Auftraggeber der Studie untersagt werden.

Dass sich dieses Verbot in der Praxis als schwierig herausstellen wird, ist kein Geheimnis. Jährlich werden weltweit mehr als 720.000 Tonnen Glyphosat verkauft, der Marktwert liegt bei geschätzten 5,5 Milliarden Dollar. In Deutschland wird das Breitbandherbizid auf rund 40 % der Ackerflächen verwendet – ebenso groß ist sein Marktanteil an allen verkauften Herbiziden. Einer der größten Treiber für das Geschäft mit dem Vernichtungsmittel: Der Hunger auf Fleisch. Gentechnisch-veränderte (und Glyphosat-resistente) Sojapflanzen dienen, wie bereits erwähnt, als eines der wesentlichen Futtermittel. Je mehr Fleisch produziert wird, desto mehr (genmodifiziertes) Soja wird angebaut, desto mehr Glyphosat kommt zum Einsatz. Der Verbrauch in Argentinien hat sich so in einem Jahrzehnt von 19.300 auf 212.300 Tonnen mehr als verzehnfacht. Obwohl in erhöhtem Maße Hautausschläge, Atemwegserkrankungen und Krebs aufgetreten sind, gibt es international keine einheitliche Bewertung über die gesundheitsschädlichen Auswirkungen des Mittels. Während die Internationale Krebsforschungsagentur (IARC) von „wahrscheinlich krebserregend“ spricht, kommt eine Metastudie des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) zu dem Ergebnis „nicht krebserregend“. Dieser Einschätzung hat sich die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) mittlerweile angeschlossen. Das Problem: Dieser Befund stützt sich auf die Forschungen der Industrie. Nur wer ein ökonomisches Interesse an der Unbedenklichkeit eines Wirkstoffs hat, kann dies wissenschaftlich be- oder widerlegen. Da in den BfR-Bericht Firmengeheimnisse eingeflossen sind, wird er nicht veröffentlicht. Ob IARC oder BfR im Recht sind, lässt sich somit nicht überprüfen. Transparenz und öffentliche Kontrolle sehen anders aus. Die in unserer Nachbarschaft mit Glyphosat behandelten Äcker erkennt man übrigens am herrlich unkomplizierten Braunton –  in Herbst und Winter ohne ein einziges Unkrautgrün.

Landwirtschaft macht Weltpolitik. Sie als Konsumenten können also direkt mitentscheiden, wohin die Reise gehen soll: Soll die Landwirtschaft „regional“ bleiben und sich der Grundversorgung mit Lebensmitteln widmen – oder sollen Agrarkonzerne ihre Marktmacht nicht nur zum Nachteil von Tier und Umwelt, sondern auch von abhängigen Unternehmen und Menschen in der 2. und 3. Welt weiter ausüben? Sie haben die Wahl.

Übrigens: Bio-Betriebe nehmen an der Gesamtzahl der Betriebe und der bewirtschafteten Flächen jeweils nur knapp 6,3 % ein. Im Rhein-Kreis Neuss sind es ganze 4 Bio-Betriebe – bei rund 800 landwirtschaftlichen Betrieben im Haupt- und Nebenerwerb entsprechen der Betriebsanteil und die Fläche lediglich 0,5 %. Umso wichtiger ist es, das Projekte wie z.B. die Bio-Region-Niederrhein den Zusammenhalt unter den Betrieben und die Förderung der wirtschaftlichen Betätigung auf regionaler Ebene stärken, um über eine gemeinsame Vermarktung ein breites Sortiment auch ohne Importwaren anbieten zu können. Das stärkt die Region und belastet die Umwelt, dank Verzicht auf Massentierhaltung und „chemische Keule“, kaum. Global denken, lokal handeln kann sehr einfach sein.

Aktionstage 2016 – Ihre Meinung ist gefragt!

Auch in diesem Jahr werden wir wieder einige öffentliche Hofführungen und spezielle thematische Aktionstage anbieten. Zur Zeit evaluieren wir intern, welche Aktionen besonders erfolgreich waren und wie wir diese noch weiter ausbauen können – andererseits natürlich auch, welche Veranstaltungen leider weniger gut besucht waren und woran das gelegen haben kann.

Welche Aktion hat Ihnen 2015 auf dem Lammertzhof besonders gut gefallen oder was für eine thematische Veranstaltung würden Sie sich wünschen? Schreiben Sie uns: !

Rücklastschriften im Gemüse-Abo

Liebe Kunden, wir möchten Sie darauf hinweisen, dass wir seit Juni 2014 zu der Rücklastgebühr der Bank, die uns im Falle einer Rücklast berechnet wird, einen eigenen Bearbeitungsbetrag in Höhe von 2 Euro in unseren Allgemeinen Geschäftsbedingungen stehen haben, das aber immer sehr großzügig behandelt haben.

Ab Mitte Februar 2016 werden wir das aber konsequent durchführen – natürlich gilt das nicht, wenn ein Fehler unsererseits vorliegt.

Kennzeichnung unserer Produkte

Ab Februar werden wir die farbliche und schriftliche Auszeichnung unserer Obst und Gemüse Produkte im Hofmarkt etwas anpassen.

Eigene Produkte werden weiterhin als eigener Anbau mit orangenen Karten erkennbar sein.

Regionale Produkte werden als Produkte aus der Region an den grünen Karten erkennbar sein. Die Region umfasst hierbei i.d.R. bis 100 km.

Artikel aus einem größeren Umkreis (Deutschlandweit) werden mit gelben Karten markiert.

Waren aus dem Ausland sind an den weißen Karten erkennbar. Wir werden jedoch auch in Zukunft keine Flugware oder außersaisonale Ware, wie z.B. ägyptische Bohnen und südafrikanische Trauben im Winter und südamerikanische Kürbisse im Sommer, anbieten!

Infos & Termine

08.02.: Rosenmontag: Hofmarkt geschlossen und Büro nicht voll besetzt
Ab Dienstag, den 09.02., sind wir wieder regulär für Sie da!

26.02.: Verkostung Münchner Kindl Senf mit bioladen*Käse
im Lammertzhof-Hofmarkt.

05.05.: Christi Himmelfahrt – Open Air Gottesdienst
21.05.: March against Monsanto
Auch im Jahr 2016 ein wichtiger Termin für uns: Der March against Monsanto. Nicht gentechnisch-veränderte Laborerzeugnisse gehören auf die Felder, sondern das Saatgut aus Bauernhand.

30.05.-05.06.: Aktionstage Nachhaltigkeit
Wo und welche Aktionen in der Nachhaltigkeitswoche stattfinden, können Sie ab Ende Februar unter www.aktionstage-nachhaltigkeit.de nachlesen. Auch der Lammertzhof wird wieder mit einem Projekt aktiv sein.

 

Bioland Lammertzhof
Right Menu Icon