Lammertzhof-21 (Foto: Linda Hammer Fotografie)

März 2016

Liebe Kunden,

„im Märzen der Bauer die Rösslein anspannt. Er setzt seine Felder und Wiesen instand. Er pflüget den Boden er egget und sät und rührt seine Hände frühmorgens und spät.“ Trotz der kurzzeitigen Rückkehr des Winters beginnt jetzt die Arbeit auf den Feldern. Aber auch hinter den Kulissen wurde fleißig gearbeitet. Am 02.03. waren wir an der Uni Witten-Herdecke zur Zukunftskonferenz Food eingeladen und haben dort einen Vortrag zum Thema „Lebensmittelverluste in der landwirtschaftlichen Erzeugung“ gehalten. Leider fallen bereits auf der Anbau-Ebene viele Erzeugnisse als Verlust an, so dass der tatsächliche Ernteertag stets deutlich geringer ist, als vorher ausgesät und angebaut wurde. Passend zum Thema Aussaat fand am 12.03. in Düsseldorf das Saatgut-Festival statt, wo wir mit einem kleinen Stand vertreten waren (mehr dazu weiter unten). Aber auch die Themen- und Aktionstage für dieses Jahr wurden festgelegt und besprochen – wie gewohnt werden wir diese regelmäßig unter „Terminen“ (am Ende des Newsletters) sowie auf unserer Homepage und den Lieferscheinen unserer Abo-Kunden ankündigen. Einen festen Termin sollten Sie sich schon heute vormerken: Am 04.09. feiern wir unser Hoffest XXVII. Vorher gibt es aber auch noch den 10. Jahrestag unseres neuen Hofmarkts zu feiern, den wir Ende Mai mit unserem Familien- und Kindertag begehen wollen. Vielleicht sehen wir uns ja vor Ort?

Unterschrift

Petra Graute-Hannen und Heinrich Hannen

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Vom Feld

Nachdem wir im Herbst des vergangenen Jahres das Kompostwerk Korschenbroich besucht haben, wurden wir nun erstmals mit Kompost von dort beliefert. Über 100.000 Tonnen organische Abfälle (Bioabfälle aus Haushalten und Gewerbebetrieben, Garten und Parkabfälle, kompostierbare Produktionsabfälle) werden in Korschenbroich und dem Schwesterwerk in Viersen jährlich zu
umweltdienlichen Komposterden verarbeitet. Da auch die Komposterde den strengen Richtlinien unseres Anbauverbands Bioland entsprechen muss, wurde eine labortechnische Untersuchung unter Mitwirkung der Bundesgütegemeinschaft Kompost e.V. durchgeführt. Die geforderten Grenzwerte wurden deutlich eingehalten, so dass die Prüfzeugnisse ausgestellt werden konnten. Somit freuen wir uns, ab sofort regionalen Biokompost als zugelassenes Betriebsmittel für den Ökolandbau verwenden zu können. Nachdem wir ja bereits im letzten Monat damit angefangen
hatten die Obstbäume zu schneiden, widmen wir uns nun wieder ganz dem Acker. Die ersten Felder wurden gepflügt und der regionale Kompost und Algenkalk zur Düngung ausgebracht. Unsere Frühkartoffelsorten Liliana, Leila und Annabell wurden gesetzt und Weizen, Wirsing, Spitzkohl und Salate gepflanzt. Geerntet bzw. gelagert werden derzeit Mangold, Rote Bete, Sellerie, Pflück- und Schnittsalate, Salatrauke und Bohnenkraut. Grünkohl, Möhren und Porree sind hingegen zu Ende.

Hühner

Ostern ist ja eine gute Gelegenheit, über unsere Hühnerhaltung zu sprechen. Wir halten auf dem Lammertzhof Hühner seit 1985, als Heinrich seine Eltern noch vor der Umstellung mit einer kleinen Herde überraschte, die einschließlich Stall in der urlaubsbedingten Abwesenheit ihre Heimat auf dem Hof gefunden hatte. Aussortierte Teekisten der Firma Teekanne in Neuss dienten als Nester. Ähnlich funktionieren heute auch unsere sogenannten Familien- und Schneewittchennester, wo die Hühner schön im Halbdunkeln in weiche Dinkelspelzen ihre Eier legen. Wir halten heute zwischen 300 und 350 Hühnern inklusive einiger Hähne. Ein Teil des ehemaligen Schweinestalls ist in drei Räume unterteilt, es gibt den überdachten „Wintergartenauslauf“, der bei
Bioland Vorschrift ist, sodass die Tiere bei jedem Wetter raus können. Der Grünauslauf, bietet bei uns mit Büschen und Streuobstbäumen sehr viel Schatten und Unterschlupfmöglichkeiten, was zu den Hühnern als ursprüngliche Waldrandbewohner passt, aber nicht so die typische grüne Wiese wie etwa bei den Mobilställen ausmacht. Die Biolandrichtlinien sehen mindestens 4 qm pro Tier vor im Auslauf (bei uns 10m²) und maximal sechs Tiere pro m² nutzbare Stallfläche (bei uns knapp fünf).

Seit etlichen Jahren beziehen wir die Junghühner, die im Alter von etwa 16 Wochen zu uns kommen, vom Bioland Junghennenhalter Jens Bodden in Goch (siehe auch Newsletter August 2015). Sie fangen mit etwa 20 Wochen an zu legen und schon die Elterntiere sind Bioland-Tiere. Das ist leider keine Selbstverständlichkeit, so werden z.B. bei EG –Bio und auch z.T. bei anderen Bio-Verbänden konventionelle Junghennen aufgestallt. Bei Jens hatten die Junghennen schon einen Auslauf, das Hochflattern auf Sitzstangen etc. kennen sie und so gibt es bei der Einstallung bei uns keine großen Umgewöhnungen. Das Hauptfutter ist ein 100%iges Biofutter (ebenfalls keine Selbstverständlichkeit) vom Bioland Hof Meyer zu Bakum, die von uns teilweise auch Getreide bekommen. Zusätzlich bekommen Sie abends noch eigenes Getreide in die Einstreu und auch Möhren, Salat und Anderes. Wir kaufen natürlich auch Eier zu, die Eier der eigenen Hühner reichen meist gerade für den Hofmarkt. Wenn wir sie in die Ökokiste packen, haben Sie die Info „eigene Eier, nicht gestempelt, Mhd. mind. 3 Wochen“ auf dem Lieferschein, denn als Kleinmengenhalter müssen wir nicht stempeln.

Bioland Meierhof Etteln von Martin und Marietheres Nolte in Borchen Etteln, von denen wir jeweils dienstags geliefert bekommen, zusammen mit der Fleischlieferung vom Bioland Betrieb Josef Schäfers. Martin und ich (Petra) haben zusammen die Höhere Landbauschule in Siegburg besucht, er hat dann den Betrieb seiner Tante in Borchen-Etteln übernommen und 1992 auf Bioland
umgestellt mit dem Schwerpunkt Hühnerhaltung. Auf der landwirtschaftlichen Fläche von 92 ha werden Weizen, Triticale, Gerste, Erbsen, Ackerbohnen und Klee für die eigene Futterversorgung angebaut und in fünf Ställen 9800 Legehennen gehalten bzw. aufgezogen. Das ist ebenfalls ein bedeutender Unterschied zu Großställen wie etwa bei Tiemann. Als „Stall“ definiert Bioland
auch wirklich ein abgeschlossenes Gebäude mit eigener Futterkette etc. Der Auslauf muss so angeordnet sein, dass die Tiere ihn auch nutzen und er nicht nur eine anrechenbare Größe ist.
Bioland Michael Buscher in Ratingen ist seit 2013 Bioland Mitglied und wir freuen uns, dass damit jetzt auch noch regionalere Eier lieferbar sind und wir ein neues Mitglied unterstützen können. Michael hat Mobilställe (und Pensionspferdehaltung) und beliefert uns montags, sodass vor Allem die Dienstagskunden diese Eier in ihrer Ökokiste haben. Seit etwa zwei Jahren haben wir auch Eier von Jens Bodden im Angebot, das sind die 10er Kartons. Jens Bodden hat die vorhandenen Tiere der ehemaligen Hühnerzuchtstation „Bioland Domäne Mechtildshausen“ im Auftrag der gemeinnützigen ökologischen Tierzucht GmbH übernommen. Bis jetzt wurde eine sogenannte Erhaltungszüchtung durchgeführt, damit die Genetik dieser Tiere als Grundlage für eine weitere Züchtung erhalten bleibt. Von dieser Herde haben wir zur Zeit rund 200 Nachkommen, die hier auf dem Lammertzhof Ihre Eier legen.

Auf dem Hofgut Rengoldshausen ist die kleine Zuchtgruppe aus den sogenannten Bressehühnern hervorgegangen. Wir haben diese im vergangenen Herbst beim Ökokisten Verbandstreffen besichtigt. Beeindruckend erzählte Inga Günter, wie Zuchtarbeit funktioniert. Die Hühner werden in Kleinguppen von etwa 10 Stück pro Hahn gehalten. In die Nester können sie nur rein, nicht raus, sodass ca. alle zwei Stunden geschaut wird welches Huhn gelegt hat, das Ei wird gekennzeichnet und gewogen. Denn natürlich sind auch Eiergröße, Schalenfestigkeit usw. wichtige Kennzahlen. Bei den Hähnchen sind Ausgeglichenheit und Futterverwertung ganz wichtig. So erzählte Inga, dass die ersten Hähne viel früher geschlachtet werden mussten, da sie sich ständig richtige Hahnenkämpfe geliefert haben. Als Futtergrundlage werden in Rengoldshausen Abfallgetreide und Restekartoffeln zu Grunde gelegt, um auch hier in Kreisläufen zu denken.

Der von Bioland und Demeter im März 2015 gemeinsam gegründeten und getragenen gemeinnützigen „Ökologische Tierzucht gGmbH“ (ÖTZ) stehen nun drei Zuchtherden zur Verfügung, die eine gute Basis für die Züchtung ökologischer Mast- und Legerassen sowie perspektivisch einer Zweinutzungsrasse sind.

Status Quo: Moderne Hühnerrassen
– Sehr stark genetisch bearbeitet
– Spezifizierung in Legehuhn und Mastgockel
– Küken als Abfallprodukt
– Zuchtmonopol

Initiativen sind zur Zeit:
Brudergockel
Bruderhahn
Zweinutzungshuhn

Ziel: Ökologische Jungtiere, angepasst auf die Bedürfnisse des ökologischen Anbaus:
– Futterverwertung (Eiweißkomponenten)
– Resistenz
– für Auslauf geeignet
– Gleichgewicht Legeleistung und Mastleistung

In 2016 geht es los: Der Naturkostfachhandel, Ökogische landwirtschaftliche Betriebe per Selbstverpflichtung und hoffentlich auch die Forschung geben gemeinsam Geld, um in ca. 5-10 Jahren eine neue Rasse zu züchten. 2017 sollen erste Ergebnisse und Infos veröffentlicht werden. Wir sind uns dabei auch der Verantwortung für die Tiere, aber auch für die Erde bewusst, denn aus den Mistkratzern von damals sind Hochleistungstiere geworden, die in Nahrungskonkurrenz zu den Menschen stehen. Wir glauben, dass auch oder gerade auf ökologische Weise die wachsende Weltbevölkerung ernährt werden kann, wenn man es richtig und gerecht angeht. Die Hühnerhaltung und unsere Essgewohnheiten und Preise sind auch weltpolitisch bedeutsam, was sich auch durch die zugekauften Futtermittel ergibt (Beispiel Soja aus Südamerika, verdrängt im Anbau Flächen für die Eigenversorgung). Urwaldrodung, Landgrabbing etc. sind dabei leider Begriffe, die Jedem geläufig sind, aber es ändert sich zu wenig. Auch bei uns sind die einheimischen Ölfuttermittel in Konkurrenz zu den hohen Preisen für den Biogas-Mais und tragen zu weiteren Monokulturen bei. Auf die Spitze getrieben ist es aber, wenn wir nur die besten Teilstücke essen und alles Andere wie Reste behandeln. Zum Beispiel werden die afrikanischen Länder unter Druck gesetzt für ein Freihandelsabkommen, um Hähnchenflügel (tiefgekühlt) zu exportieren, ohne Berücksichtigung der lokalen Märkte, aber auch die Transportbedingungen, sodass also mit
teilweise verdorbener Ware noch Exportabschöpfungen möglich sind. Wenn dann hierzulande noch das Grundwasser durch zu hohe Nährstoffeinträge (Gülle) belastet wird, schließt sich eigentlich der Kreis wieder: Wir schaden uns nur selber, die Marktpreise drücken es aber nicht aus! Also Politik und Verantwortung unbedingt im Einkaufskorb beginnen!

Weitere Infos zum Thema:
www.bioland-tiere.de/Legehennen
www.oekotierzucht.de
Schrot und Korn Februar 2016 (Das Huhn von morgen)

Saatgutfestival 2016

Am 12.03. fand in Düsseldorf das Saatgutfestival statt – der Lammertzhof war mit einem kleinen Stand vertreten. Insgesamt 33 Aussteller und rund 1200 Besucher nahmen teil und waren insbesondere von dem Angebot und der Mischung aus Initiativen, Saatgutanbietern und dem Vortragsprogramm begeistert. Die Vorträge und Workshops waren sehr gut besucht – trotz der
„Konkurrenz“ durch Saatgutfestivals in Köln und Bonn. Für uns ein Zeichen, dass Ökoszene und Bio-Gemeinschaft auch im oftmals mit Vorurteilen behafteten Düsseldorf lebt und in Bewegung ist. Einen Videoclip zum Festival hat der Gartengemüsekiosk auf YouTube eingestellt: https://www.youtube.com/watch?v=X8RGVqCUWhY.

Käse trifft Wein – ab dem 08.04. im Hofmarkt!

Ab dem 08.04. findet jeden 2. Freitag im Monat in der Zeit von 16.30 – 19.00 Uhr eine aktive Verkostung zum Thema „Käse trifft Wein – mit allen Sinnen für Ihr perfektes Wochenende!“ im Lammertzhof Hofmarkt statt. Genießen Sie feine Käsespezialitäten, verkosten Sie die empfohlenen Begleiter und erfahren Sie mehr über die harmonischen und vielfältigen Aroma-Kombinationen. Zum Start am 08.04. erwarten Sie Kostproben vom Nordseekäse sowie dem „Tiroler vom Berg“, begleitet von drei Weinen vom Weingut Stefan Kuntz (Riesling trocken und halbtrocken sowie das Rotwein-Cuvée Pablo). So schmeckt der Start in das Wochenende – ein Genuss für alle Sinne!

Infos & Termine

08.04.: Verkostung „Käse trifft Wein“ (16.30 – 19.00 Uhr) im Hofmarkt
15.04.: Verkostung Voelkel Naturkostsäfte im Hofmarkt
16.04.: Öffentliche Hofführung
Beginn: 11 Uhr. Treffpunkt vor dem Hofmarkt. Bitte an geeignetes Schuhwerk und wetterfeste Bekleidung denken!
16.04.: Jungpflanzenverkauf H. Gotthardt vor dem Lammertzhof-Hofmarkt.
05.05.: Christi Himmelfahrt – evangelischer Open Air Gottesdienst auf dem Lammertzhof
07./08.05.: Good-Food-Festival
Eine Veranstaltung zum Mitmachen und für die ganze Familie – mit Feinkost, Streetfood, Workshops,
Verkostungen, Infoständen, Mit-Mach-Aktionen und Kinderangeboten. Im Boui Boui (Suitbertusstr. 149,
40223 Düsseldorf). http://www.goodfoodfestival.de/

27./28.05.: 10 Jahre Lammertzhof-Hofmarkt mit Familientag im Lammertzhof-Hofmarkt.

04.06.: March against Monsanto
Wir wollen kein gentechnisch-verändertes Saatgut, dessen Auswirkungen auf Mensch und Natur nicht
vorhersehbar sind. Saatgut gehört in Bauernhand – nicht in die Hand von Konzernen und Oligopolen.
Demo-Aktionstag von 12 bis 20 Uhr am Graf-Adolf-Platz in Düsseldorf.

Bioland Lammertzhof