Was ist das für ein Garten vor dem Hofmarkt?

Der Eine oder die Andere haben vielleicht schon den kleinen Garten auf der Wiese vor unserem Hofmarkt gesehen und sich gefragt was dahinter steckt.
Dieser Garten ist ein ReferenzAcker von der GemüseAckerdemie. Was das ist, wer hinter der GemüseAckerdemie steckt, und was sie genau machen erfahren Sie hier in dem folgenden Interview mit Annette Bartmer, der Regionalmanagerin Nordrhein-Westfalen.

„Für eine Generation, die weiß, was sie isst” – genau so lautet die Vision des gemeinnützigen Vereins Ackerdemia, der 2019 mit seinem Bildungsprogramm GemüseAckerdemie knapp 500 Kitas und Schulen auf den Acker schickt. Mit seinem langjährigen Wissen entwickelt Ackerdemia e.V. darüber hinaus weitere Produkte, Programme und Dienstleistungen, um auch private Haushalte und Unternehmen für einen verantwortungsvollen Umgang mit Natur und Lebensmitteln zu motivieren. Der gemeinnützige Verein Ackerdemia wurde im Jahr 2014 von Dr. Christoph Schmitz in Potsdam gegründet.

GemüseAckerdemie, ein Name der wenn man richtig liest erstmal stutzig macht. Was genau macht ihr eigentlich?

Die GemüseAckerdemie ist ein ganzjähriges Bildungsprogramm für Kitas und Schulen. Kinder und Jugendliche bauen auf ihrem eigenen GemüseAcker Gemüse an und erleben dabei, wo unsere Lebensmittel herkommen – daher kommt auch unser Name: GemüseAckerdemie. Unser Ziel ist es, eine junge Generation für gesunde Ernährung und Nachhaltigkeit zu begeistern.
Unser Gründer Dr. Christoph Schmitz führte 2013 eine Studie zur Entfremdung der Gesellschaft von der Lebensmittelproduktion durch. Begleitend dazu entwickelte er das Konzept der GemüseAckerdemie und testete das Programm zeitgleich mit einer Schulklasse von 30 Schüler*innen an der Realschule Bedburg (NRW). 2014 gründete er den gemeinnützigen Verein Ackerdemia, der Träger des Bildungsprogramms. Seitdem hat sich die GemüseAckerdemie kontinuierlich weiterentwickelt, wir konnten uns über zahlreiche Auszeichnungen freuen und in diesem Jahr erreichen wir 19.000 Kinder an knapp 500 Lernorten in ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Was ist eure Mission/Vision?

Kinder und Jugendliche verlieren zunehmend den Zugang zur natürlichen Lebensmittelproduktion und den ihr zugrundeliegenden Prozessen. Als Konsequenz daraus sinkt die Wertschätzung für Lebensmittel: Immer weniger Kinder und Jugendliche wissen, wo Lebensmittel herkommen oder haben schon einmal selber Gemüse angebaut. In Deutschland werden über 30 % aller Lebensmittel weggeworfen. Ungesundes Ernährungsverhalten und Krankheiten wie Übergewicht und Diabetes nehmen bei Kindern und Jugendlichen kontinuierlich zu. Durch den Anbau und die Pflege von bis zu 30 Gemüsearten sowie die selbständige Vermarktung der Ernte erfahren die Kinder und Jugendlichen die vollständige Produktionskette des Gemüseanbaus und entwickeln dadurch Wertschätzung für Lebensmittel – genau das ist unser Ziel: Eine Generation, die weiß, was sie isst.

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Welche Bildungsprogramme habt ihr?

Welche Bildungsprogramme habt ihr?

Die GemüseAckerdemie umfasst die ganzjährigen Bildungsprogramme AckerSchule und AckerKita, bei denen ein GemüseAcker als fester Lernort auf dem Kita- oder Schulgelände etabliert und über vielfältige Bildungsmaterialien in den Unterricht oder Kita-Alltag integriert wird.

Bei der GemüseKlasse bauen Schüler*innen der 3. und 4. Klasse in speziellen Indoor-Beeten 20 Wochen lang Gemüse direkt im Klassenzimmer an und setzen sich spielerisch mit Pflanzenwachstum, Lebensmittelverschwendung und Sortenvielfalt auseinander.

Darüber hinaus entwickeln wir auch weitere Programme und Produkte, um auch private Haushalte und Unternehmen für einen verantwortungsvollen Umgang mit Natur und Lebensmitteln zu motivieren, wie zum Beispiel die AckerPause, unser Office-Gardening-Konzept für Unternehmen.

Wie viele Schulen und Kindergärten betreut ihr im Rheinland und wie läuft so eine „AckerSchule“ ab?

Wir haben dieses Jahr im Rheinland 80 Lernorte- inklusive nördliches Rheinland Pfalnz (55 AckerSchulen, 22 AckerKitas, 3 GemüseKlassen).

Bei der AckerSchule wird der Acker unmittelbar auf oder in der Nähe des Schulgeländes angelegt, und die Kinder und Jugendlichen verbringen hier im Schnitt 80 bis 100 Stunden. Das AckerJahr gliedert sich in drei Phasen: Die VorAckerZeit von Januar bis April beinhaltet die organisatorische und inhaltliche Vorbereitung. Die Lehrer*innen nehmen an der ersten Fortbildung teil und die Schulkinder bekommen einen ersten Einblick in die Themen Gemüseanbau, biologische Vielfalt sowie Bodenfruchtbarkeit. Die AckerZeit von April bis Oktober ist das Herzstück des Programms: Die Arbeit auf dem Acker. Nach der Bepflanzung des Schulgartens geht es pro Woche eine Doppelstunde auf den Acker. Die Kinder pflanzen, pflegen, ernten, probieren und verwerten ihr Gemüse. Teilweise vermarkten sie es auch. Die NachAckerZeit von Oktober bis Dezember bietet einen Blick „über den AckerRand“: Hier werden weiterführende Unterrichtsthemen wie Lebensmittelverschwendung und Sortenvielfalt vertieft.

Was habt ihr im letzten Jahr bei den Kindern bewirkt?

Schon seit dem ersten Spatenstich im Jahr 2013 liegt bei uns das Hauptaugenmerk auf der Wirkung unserer Bildungsprogramme. In den letzten fünf Jahren haben sich sieben Wirkungsfelder der GemüseAckerdemie bestätigt, in denen bemerkenswerte Verhaltensänderungen der Schüler*innen erkennbar sind: Wissen, Ernährung, Naturerfahrung, Bewegung, Sozialkompetenzen, Verantwortungsbewusstsein und Nachhaltigkeit.
Auf dem Acker kommen die Kinder der Natur wieder nahe: Hier lernen sie nicht nur Gemüse kennen, sondern nehmen einen Regenwurm in die Hand und erfahren, warum er für den Anbau so wichtig ist. Darüber hinaus setzen sie sich auch damit auseinander, wie die Tomaten vom Acker über den Handel auf den Teller kommen. Die Kinder erwerben neues Wissen rund um Lebensmittel, ernähren sich gesünder und bewegen sich mehr in der Natur. Ihre Wertschätzung für Lebensmittel steigt und sie setzen sich mit dem Thema Nachhaltigkeit auseinander. Darüber hinaus erwerben sie Sozialkompetenzen: Sie beginnen vorausschauend zu denken, die Arbeit aufzuteilen, Verantwortung zu übernehmen, geduldiger zu werden. Und: mit dem Scheitern umzugehen, wenn eine lang gehegte Pflanze eingegangen ist. Wer mehr über die Wirkung unserer Programme wissen möchte, findet auf unserer Webseite unseren jährlich erscheinenden Wirkungsbericht.

Wofür genau ist der Garten auf dem Lammertzhof?

Der Garten auf dem Lammertzhof ist unser ReferenzAcker. Hier beobachten wir, wie die Kulturen wachsen und ob alles so funktioniert, wie wir uns das vorstellen. Außerdem nutzen wir diese Ackerfläche auch zur Saatgutgewinnung: Wir haben bereits begonnen, regionale Sorten dort zu vermehren, um das Saatgut dann an unseren Lernorten zu verwenden. So stehen im Moment der Feldsalat „Kölner Palm“, die Möhre „Lobbericher Gelbe“, die Tomate „Rheinlands Ruhm“ und die Buschbohne „Paas Lintorfer Frühe“ auf dem Acker. Zu letzteren gibt es auch eine besonders schöne Verbindung vom Lammertzhof und der GemüseAckerdemie: Im Frühjahr 2018 hat Heiner Saatgut dieser regionalen Sorte an Dr. T übergeben, Thomas hat daraus Saatgut für uns vermehrt, was wir in diesem Jahr bereits an zwei Düsseldorfer/Ratinger Schulen eingesetzt haben und natürlich auch auf dem Referenzacker weiter vermehren möchten.
Wir hoffen, dass bald noch viele weitere regionale Sorten dazukommen.

Wie kann man bei euch mitmachen?

Jede*r kann mitmachen:
Für Lehrer*innen ist gärtnerisches Vorwissen nicht nötig, da wir sie mit Fortbildungen, bei drei Pflanzterminen persönlich vor Ort und auch digital über Tipps per Mail oder unsere Online-Plattform begleiten. Wir kümmern uns auch um die Ausstattung mit Jungplanzen und Saatgut und stellen Bildungsmaterialien zur Verfügung. Wer Lust hat, mit seiner Klasse oder Gruppe zu ackern, kann sich einfach auf unserer Webseite per Kontaktformular melden und hört dann von der/dem zuständigen regionalen Ansprechpartner*in.

Für Privatpersonen gibt es auch verschiedene Möglichkeiten, mitzumachen: Als ehrenamtliche*r AckerMentor*in begleiten sie eine Schulklasse oder Kita-Gruppe beim Gemüseanbau durch die AckerSaison von April bis Oktober. Als AckerHelfer*in oder AckerCoach unterstützen sie uns ehrenamtlich oder auf Honorarbasis bei den Pflanzterminen an verschiedenen Kitas und Schulen. Weitere Informationen dazu gibt es auf unserer Webseite.

Bioland Lammertzhof